Betriebswirtschaftslehre

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Allgemein

„Die Betriebswirtschaftslehre zählt zu den Realwissenschaften [...], d.h. zu denjenigen Wissenschaften, die sich mit in der Wirklichkeit vorhandenen, individuellen, raum-zeitlich feststellbaren Tatsachen und Problemen befassen [...].“ (vgl. Schweizer, 2004, S.26)

Die Grundlage der Betriebswirtschaftslehre liegt in der Notwendigkeit zum wirtschaftlichen Handeln. Das bedeutet, dass die verfügbaren knappen Ressourcen so einzusetzen sind, dass damit die Bedürfnisse der Menschen befriedet werden können.

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Abb.1: Einordnung der BWL in das wissenschaftliche Umfeld

Erkenntnisobjekt der Betriebswirtschaftslehre

Das Erkenntnisobjekt der Betriebswirtschaft befasst sich mit der Wirtschaft und dem wirtschaftlichen Prinzip. Unter wirtschaftlichem Prinzip (auch ökonomisches Prinzip genannt) ist im Allgemeinen das rationale Handeln unter Knappheit der Ressourcen zu verstehen.

Zitat: Wirtschaft

Wirtschaft ist die Disposition über knappe Güter, die direkt oder indirekt zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse geeignet sind. Oder die Erstellung von Wirtschaftsgütern zur Bedürfnisbefriedigung. (vgl. Hummel, 2007, S.7)

Dabei kann dieses Ziel unter Berücksichtigung verschiedener Prinzipien erreicht werden (vgl. Drosse, 1997, S. 7).

Minimalprinzip
Der nötige Aufwand um einen Ertrag zu erzielen soll möglichst gering gehalten werden. Hier spielen vorrangig Aufwands- und Kostenminimierungen hinein.
Maximalprinzip
Bei gegebenem Aufwand soll ein höchst möglicher Ertrag erzielt werden. Ziel dieses Ansatzes ist die Ertrags- und Aufwandsoptimierung, sowie die Leistungs- und Kostenoptimierung.

Aus dem Kriterium der Güterknappheit folgt der Argumentationsansatz, dass es für jede zu Konsum oder Produktion benötigte Ressource einen Preis geben muss, der den Grad der Knappheit widerspiegelt. Trifft dieses Annahme nicht zu, so handelt es sich um ein Gut mit unbegrenztem Vorkommen wie z.B. Luft. Aber auch dieses Beispiel zeigt spätestens bei der Betrachtung von Luftverschmutzungen in Ballungszentren, dass das Gut „frische Luft“ nicht unbegrenzt vorhanden ist und ihm auch so in den betreffenden Regionen ein Preis zugeordnet werden kann (vgl. hierzu Schweizer, 2004, S.54).

Für die Messung des wirtschaftlichen Erfolgs stehen eine Vielzahl von Kennzahlen zur Verfügung. Die drei folgenden Kennzahlen lassen die Realisierung der angesprochenen Prinzipien widerspiegeln (siehe dazu Hummel, 2007, S.8).

  • Wirtschaftlichkeit:  \frac\mbox{Ertrag}\mbox{Aufwand} oder  \frac\mbox{Leistung}\mbox{Kosten}
  • Produktivität:  \frac\mbox{Output}\mbox{Input} oder  \frac\mbox{Ausbringungsmenge}\mbox{Einsatzmenge}

Erfahrungsobjekt der Betriebswirtschaftslehre

Allgemein

Das Erfahrungsobjekt der Betriebswirtschaftslehre sind

  • Betriebe (bzw. Unternehmen): die Güter erzeugen und konsumieren
  • private Haushalte: die vorrangig Güter konsumieren
  • öffentliche Verwaltung: eine gütererzeugende Einzelwirtschaft, die nicht an Marktmechanismen gebunden ist

Nach Brede (1992, S.6) ist allen Wirtschaftsgebilden gemein, dass sie „selbstständige Entscheidungen über die Verwendung knapper Güter“ treffen. Somit bilden die drei aufgeführten Einzelwirtschaften das Erfahrungsobjekt der Betriebswirtschaft. In den meisten Fällen werden jedoch vorrangig die Betriebe untersucht. Private Haushalte stellen häufig nur in Form von nachfragerelevanten Fragestellungen eine Bedeutung dar und öffentliche Verwaltungen sind durch ihre Unabhängigkeit von Marktmechanismen häufig gesondert zu betrachten.

Betriebe und Unternehmen

Da es durch die Komplexität der Realwelt nicht möglich ist alle Verflechtungen der beteiligten Marktteilnehmer zu untersuchen bedient man sich in der Betriebswirtschaftslehre dem Konzept der Typisierung. Dabei werden die zu untersuchenden Marktteilnehmer in Klassen eingeteilt, die wiederum für eine Vielzahl ähnlicher Teilnehmer stehen und ihre Eigenschaften verallgemeinert abbilden.

Eine Unterteilung der Unternehmen ist in folgende Klassen möglich:

  • nach Wirtschaftszweig (Industrie, Handel, Versicherungen, Banken, Dienstleistungsgewerbe)
  • nach Größe (Groß-, Mittel-, Kleinbetriebe)
  • nach Rechtsform (Personenunternehmen, Kapitalgesellschaften, Sonderformen)
  • nach Art der Verarbeitung (metallverarbeitende Industrie, Lederindustrie)
  • nach Art der Fertigung (Einzelfertigung, Serienfertigung, Massenfertigung, Sortenfertigung)
  • usw.

Es sind noch mehrere Möglichkeiten der Klassenbildung von Unternehmen möglich. Der Auszug aus einer Unterteilung nach Brede (1992, S.6f) soll hier nur einige mögliche Ausprägungen verdeutlichen.

Wechselseitige Beziehungen

In einer ganzheitlichen Sicht auf die Umwelt des betrieblichen Handelns sind mehrere Akteure auszumachen. Sie alle stehen in einer bestimmten Beziehung zum einzelnen Unternehmen und beeinflussen sein Handeln. Die unten stehende Grafik verdeutlicht dies und zeigt mögliche Beteiligte auf.

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Abb.2: Akteure im Umfeld der Unternehmung

Modellannahmen der Betriebswirtschaftslehre

Die Betriebswirtschaftslehre verfolgt in ihrer Forschung deskriptiv, beschreibende Ziele. Sie versucht, das Handeln von Wirtschaftssubjekten zu erklären und so ein Modell wirtschaftlichen Handelns zu erstellen, auf dessen Grundlage die Beschreibung von Beziehungen zwischen den Subjekten abstrahiert und verallgemeinert werden kann.

Die alleinige Beschreibung stellt aber nur einen Teil der in der BWL gestellten Ziele dar. Aus dem deskriptiven Modell soll sich in einem anschließenden Verfahren ein prognosebasiertes Modell erstellen lassen. Dies wiederum versucht auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse Vorhersagen über das zukünftige Verhalten der Wirtschaftssubjekte zu treffen.

Gewinnmaximierung

Zentrales Ziel der betriebswirtschaftlichen Forschung ist die Gewinnmaximierung. Es ist kein alleinstellendes Merkmal unternehmerischen Handelns. Der Imagegewinn, Kundenbindung oder auch die soziale und ökologische Verträglichkeit von Unternehmen stellen ebenfalls Ziele dar. Die Gewinnmaximierung hat jedoch gegenüber qualitativen Zielen den Vorteil ein quantitativ messbares Ergebnis zu liefern und kann damit in Modellen wertmäßig bestimmt werden.

In der Praxis ist es so leicht möglich dieses Extremwertziel (siehe Erkenntnisprinzip) zu überprüfen. Es lässt sich vollständig als Veränderung einer monetären Größe abbilden und ist leicht messbar.

Freier Markt

Für die Betrachtung der Wirtschaftssubjekte untereinander geht die BWL von einem freien Wettbewerb auf dem Markt aus. Hierbei wird unterstellt, dass nur das Angebot und die Nachfrage die Preisbildung beeinflussen. Das ist unter anderem auch der Grund, warum das Wirtschaftssubjekt der öffentlichen Verwaltung eine eher untergeordnete Rolle spielt. Der Staat ist als einziger Marktteilnehmern im Modell nicht an die Vorgaben der freien Preisbildung gebunden. Er findet jedoch in dem Moment Betrachtung, wenn es um die Schaffung und Kontrolle der Bedingungen für einen freien Markt geht.

Zusätzlich zur Preisbildung durch Angebot und Nachfrage, kommen noch weitere Bestandteile der Modellannahmen hinzu. Hierbei sind vorrangig nachfolgende Kriterien von Interesse.

  • Markteintrittsbedingungen (Zutrittsbarrieren und -chanen für Markteintritt, sowohl finanziell, wie auch organisatorisch)
  • Verfügbarkeit von Information (frei verfügbar, Preis der Information)
  • Dependenz angrenzender Märkte (Findet ein Austausch mit angrenzenden Märkten statt?)
  • Macht der Teilnehmer (Wie ist die Macht einzelner Teilnehmer auf dem Markt verteilt?)
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Abb.2: Preis-Absatz-Funktion Quelle [1]

In der Grafik ist ein linearer Zusammenhang von Preis und Nachfrage zu sehen. Diese Annahme trifft nicht in für jedes Gut zu und ist auch abhängig von dem Markt, auf dem das Gut gehandelt wird. Es soll jedoch für die einführende Betrachtung vereinfacht unterstellt werden. Die Wechselbeziehungen sind wie folgt zu lesen. Mit steigendem Preis verringert sich die nachgefragte Menge. Es ist ebenfalls eine bestimmbare Ausbringungsmenge eines Gutes zu einem vorher definierten Preis erkennbar, so lange das Abnahmeverhalten der Kunden bekannt ist.

Finanzbegriff

Als wesentlicher Bestandteil der unternehmerischen Entscheidungen umfasst die Finanzierung von Projekten einen zentralen Punkt der Betriebswirtschaftslehre. In diesem Sinne ist nicht allein Geld oder allgemein Zahlungsmittel gemeint. Der Finanzierungsbegriff erschließt einen weitaus größeren Raum. Finanzmittel sind ebenfalls in Form von Krediten oder Wechseln einlösbar.

In der Literatur sind drei Hauptgegenstände der Finanzierungstheorie zu finden (vgl. Brede, 1992, S.30ff).

  • Finanzplanung: Wann und in welcher Form sind Einnahmen und Ausgaben zu erwarten
Ziel der Finanzplanung ist es, die richtige Mischung aus Einkommen (sprich Gewinnen der Unternehmen) und deren Zahlungsfähigkeit (Liquidität) zu wählen. Beide Größen stehen in konkurrierender Weise zueinander in Beziehung. Versäumte Investitionsprojekte bedingt durch die Angst vor Illiquidität führen zu einer nicht mehr martkgerechten Position und Konkurrenten sind schneller in der Lage die eigenen Produkte und Dienstleistungen kunden erechter oder günstiger anzubieten. Das hätte einen Rückgang der Gewinne zur Folge.
  • alternative Finanzierungsform Aus welchen Quellen und unter welchen Bedingungen kann der Finanzmittelbedarf gedeckt werden?
Mit der Wahl der Finanzierungsform sind unterschiedliche Restriktionen seitens der Finanzmittelgeber verbunden. Je nach gewählter Finanzierungsform unterscheiden sich so Kriterien der Mitsprachrechte bei Eigenkapital- bzw. Fremdkapitalgebern.
Einige Finanzierungsformen führen zu Zahlungsforderungen seitens der Finanzgeber bei eintretenden Gewinnen. Andere wiederum sind nicht von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens abhängig und beinhalten einen Dividenden- bzw. Zinsanspruch unabhängig von der Situation der Unternehmung.
  • Höhe des Finanzmittelbedarfs: Wie viele Mittel werden zur Finanzierung eines Projektes Benötigt?
Zu Schluss müssen noch Aussagen über die Höhe der gebrauchten Mittel getroffen werden. Neben der rein monetären Beurteilung von Investitionsprojekten gilt es im Rahmen der Barwertanalyse die periodischen Zahlungsströme zu bewerten.

Entscheidungstheorien in der Betriebswirtschaftslehre

Die Betriebswirtschaftslehre wurde eingangs als Wissenschaft definiert, die sich mit Entscheidungsprozessen in Unternehmen befasst. Heraus lässt sich die allgemeine Frage nach den entscheidungstheoretischen Grundlagen stellen.

Je nach Untersuchungsgegenstand lassen sich verschiedene Kategorien der Entscheidungstheorien in Unternehmen finden. Eine Gliederung kann gemäß Schweizer (2004, S.310) erfolgen.

  • Bezugszeitraum: kurz-, mittel- und langfristige Entscheidung
  • Funktionsbereiche: Beschaffungs-, Fertigungs-, Absatz-, Finanzierungsentscheidung usw.
  • Planungshierachie: strategische, taktische, operative Entscheidung
  • Zeitliche Reichweite: konstitutive und laufende Entscheidungen
 Definition: Entscheidungsproblem
 „Ein Entscheidungsproblem liegt dann vor, wenn unter bestimmten Umweltzuständen (Daten) 
 aus mehreren Handlungsalternativen diejenige Alternative zu wählen ist, die am besten zur 
 Zielerfüllung beiträgt.“ Schweizer(2004, S.311)

Demzufolge lassen sich die drei Elemente eines Entscheidungsproblem herausstellen: Umweltzustände, Alternativen und Ziele.

Hierbei ist die Bewertung der besten Alternative nicht eindeutig. Der Grund liegt in den zumeist beschränkten Alternativen und dem nicht genau kalkulierbaren Risiko einer Entscheidung bezüglich ihres Ausganges, ihre Datenbasis (und damit der Entscheidungsbasis) und des Eintretens prognostizierter Ereignisse.

Die Entscheidungslehre ist stark an die Spieltheorie angelehnt und kann beinhaltet Situationen zur

  • Entscheidung bei Sicherheit
  • Entscheidung bei Ungewissheit
  • Entscheidung unter Risiko

Rechtsformen

Die rechtlichen Grundsätze für betriebswirtschaftliche Unternehmen sind in Deutschland vorrangig in den nachfolgenden Gesetzesbüchern geregelt. Die nachfolgende Liste ist dabei nicht vollständig, da weitere Verordnungen und Normen nicht behandelt werden.

  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
  • Handelsgesetzbuch (HGB)
  • Aktiengesetz (AktG)
  • GmbH-Gesetz (GmbHG)
  • Genossenschaftsgesetz (GenG)
  • u.v.m

Grundsätzlich lassen sich die Rechtsformen in Formen des Privatrechts und Formen des öffentlichen Rechts unterteilen. Letztere existieren in den Ausprägungen mit und ohne eigener Rechtspersönlichkeit. Und sollen nicht genauer betrachtet werden.

Die Formen des Privatrechts untergliedern sich in die vier wesentlichen Gruppen Einzelunternehmer, Personengesellschaften (Gbr, OHG, KG, aber auch die stille Gesellschaft), Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, KGaA) und Sonder- und Mischformen (Vereine, Stiftungen, GmbH & Co. KG etc.) (vgl. Drosse, 1997, S.68ff).

Die Gründe für die Wahl einer speziellen Rechtsform sind unterschiedlich, unterliegen jedoch nachfolgenden grundlegenden Überlegungen.

  • Gründungserfordernisse
Vorschriften und Auflagen zur Unternehmensgründung, Eintrag in das Handelsregister, Regelung zur Haftung (beschränkt unbeschränkt), Mindesthöhe an Eigenkapital, Vorschriften zur Namensgebung
  • Leitungsbefugnisse
Rechte und Pflichten der Gesellschafter zur Führung des operativen Geschäftsbetriebs und Vertretung der Gesellschaft nach außen gegenüber Dritten
  • Gewinn/Verlustbeteiligung und Besteuerung
Regelung zur Verteilung des entstandenen Gewinns, zur Gewinnentnahme, aber auch zur Beteiligung an Verlusten
Die Beschaffung von Fremdkapital ist in hohem Maße von der gewählten Rechtsform abhängig. Die Börsenfähigkeit von Aktiengesellschaften stellt hier einen umfassenderen Ansatz zur Fremdkapitalbeschaffung dar, als es bei Gesellschaften mit beschränktem Recht der Fall ist. Die Frage nach der Haftungsbeschränkung spiegelt sich hier ebenfalls wider.
Vorschriften und Normen zur Erstellung und Prüfung von Jahresabschlüssen, Bewertungsvorschriften, Offenlegungspflichten

Quellen

  • [1] Preis-Absatz-Funktion
  • Hummel, R. (2007): Betriebswirtschaftslehre kompakt, München, Oldenbourg
  • Brede, H. (1992): Betriebswirtschaftslehre, München, Oldenbourg
  • Friedl, B.; Schweizer, M. (2004): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Stuttgart, Lucius & Lucius
  • Drosse, V.; Vossebein, U. (1997): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, München, Gabler