Konsortium

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Der Begriff Konsortium stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Schicksalsgenosse“. Ein Konsortium ist der Zusammenschluss von gleichberechtigten juristischen Personen zur Durchführung eines gemeinsamen Vorhabens.

Begriffsdefinition

Ein Konsortium ist ein zweckgebundener, befristeter oder auch unbefristeter Zusammenschluss von mehreren rechtlich und wirtschaftlich selbstständig bleibenden Organisationen. Die Vereinigung wird im Konsortialvertrag geregelt. Das Konsortium ist eine Organisationsform der Anbieterkoalition. [1] Wenn ein Auftraggeber nicht weiß, dass ein Konsortium bei der Bewältigung einer bestimmten Aufgabe beteiligt ist, wird es auch als stilles Konsortium bezeichnet.

In den meisten Fällen wird für das Konsortium kein eigenständiges Unternehmen gegründet. Es handelt sich i.d.R. um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts zur Durchführung einer gemeinsamen Aufgabe, deren Bewältigung für ein einzelnes Unternehmen nur bedingt oder gar nicht möglich ist. Jeder Konsorte haftet gesamtschuldnerisch für die Gewährleistung bzw. den Schadensersatz. [2]

Im Konsortium übernimmt ein beteiligtes Unternehmen die Aufgabe des Konsortialführers. Dieser zur Geschäftsführung berufene Konsorte übernimmt auch das Amt zur Vertretung gegenüber Dritten. Diese vorübergehenden Allianzen ermöglichen das Zusammenwirken verschiedenster Fähigkeiten und Kenntnisse und reduzieren das Risiko für den Einzelnen maßgeblich.

rechtliche Grundlagen

Das Konsortium ist ein vorübergehender Unternehmenszusammenschluss mit der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gemäß §705 ff. BGB zur Durchführung eines bestimmten Geschäfts. Demzufolge wird auch die Bezeichnung Gelegenheitsgesellschaft verwendet. [3] Nach Abschluss des Geschäfts wird das Konsortium wieder aufgelöst.

offenes vs. stilles Konsortium

Bezüglich der Organisationsform kann zwischen einem offenen und einem stillen Konsortium differenziert werden. Ein offenes Konsortium schließt als Zusammenschluss von rechtlich selbstständigen Unternehmen gemeinsam einen Vertrag mit dem Kunden ab. Es ist somit nach außen hin rechtlich wirksam und dem Kunden bekannt. Die vertragliche Beziehung besteht zwischen der Gesamtheit der Anbieter und dem Kunden. Da jeder der Konsorten gesamtschuldnerisch haftet, erfolgt im Innenverhältnis eine separate Haftungsregelung , welche im Konsortialvertrag geregelt wird. [4]

Die Vorteile eines offenen Konsortiums bestehen für den Kunden in der breiteren Haftungsbasis und in der Möglichkeit, über einzelne Leistungsbestandteile direkt verhandeln zu können. Hingegen tritt das stille Konsortium formal wie eine Generalunternehmerschaft in Erscheinung, wobei im Innenverhältnis konsortiale Beziehungen bestehen. Da dadurch die Komplexität für den Kunden stark reduziert wird, werden Kommunikationsstrukturen und Haftungsbeschränkungen transparenter. [5] Zudem bietet sich bei nur einem Verhandlungspartner in höherem Maße die Möglichkeit für die Entstehung relationaler Bindungen in der Zusammenarbeit.

Zwar besteht im Außenverhältnis zum Kunden eine Alleinhaftung des formellen Generalunternehmers, im Innenverhältnis haftet jedoch jeder Konsorte für seine eigenen Leistungsanteile entsprechend den vertraglichen Bedingungen. Beide Arten des Konsortiums stellen demnach Formen des temporären Gemeinschaftsabsatzes dar, bei dem die Anbieter selbst in direktem Kontakt mit den Kunden stehen.

Konsortialführer

Der oder die Konsortialführer regelt die Abstimmung zwischen dem Konsortium und den Kunden sowohl bei der Anfertigung des Konsortialvertrages als auch bei der Abwicklung des Konsortialgeschäfts. Der Konsortialführer trägt dabei die alleinige Geschäftsführungsbefugnis, welche mindestens aus der Verhandlungsführung mit den Kunden besteht. Die übrigen Mitglieder des Konsortiums übernehmen detaillierte Teilaufgaben. [6]

Üblicherweise trägt der Konsortialführer auch eine höhere Konsortialquote als die anderen Konsorten. Die so genannte Konsortialquote regelt die Anteilsverhältnisse untereinander. Eine konkrete Haftungsbeschränkung ist im Konsortialvertrag erforderlich, um die jeweilige Haftung der Konsortialmitglieder auf ihre Konsortialquote zu beschränken.

Konsortialvertrag

Der Konsortialvertrag ist ein privatrechtlicher Vertrag zwischen den einzelnen Partnern eines Konsortiums. Dieser regelt die jeweiligen Rechte und Pflichten der Mitglieder untereinander, das so genannte Innenverhältnis. Es werden die geschäftlichen Beziehungen zwischen den Parteien und Bestimmungen bezüglich diverser Leistungen, die zur Erbringung des Gesamtauftrages notwendig sind, festgehalten. Diese abgegrenzten Leistungsbereiche sind hinsichtlich der jeweiligen Haftung von großer Bedeutung. Denn es müssen Regelungen für den Fall getroffen werden, dass der Kunde einen Konsorten in Anspruch nimmt für einen Fehler, den ein anderer Konsorte verursacht hat. [7]

Alle Konsortialmitglieder arbeiten zusammen, aber jeder für sich. Durch die Summe der einzelnen Teilleistungen wird der Gesamtauftrag erfüllt. Die Stimmverteilungen müssen ebenso wie die Verteilung der Gewinne bzw. Erlöse geregelt werden. Zusätzlich muss entschieden werden, wie die Vergütung des Konsortialführers durch einen Verkaufsabschluss erfolgt. Im Außenkonsortium wird der Vertrag im Namen des gesamten Konsortiums abgeschlossen, so dass das rechtsfähige Konsortium berechtigt und verpflichtet wird.

Folgende Punkte werden innerhalb des Konsortialvertrages geregelt:

  1. Kooperationsbasis und Wirksamkeit – Wie kommt das Verhältnis zustande? Wann und wie lange gelten die Bestimmungen?
  2. Konsortiumsversammlung und Konsortialführer – Wo und wie oft treffen sich die Mitglieder? Wie wird abgestimmt und wer übernimmt die Konsortialführerschaft?
  3. Aufgaben- und Arbeitsteilung – Wie erfolgt der Informationsaustausch?
  4. Pflichten der Parteien – alle Regeln und Vereinbarungen zum reibungslosen Ablauf (Verantwortung, technische Planung, Kosten, Zeitplanung, Patente)
  5. Haftungsbedingungen (gegenüber den Kunden und Dritten, untereinander, Sonderregelung für den Konsortialführer, Einstweilige Teilhaftung)
  6. anzuwendendes Gesetz – Wo ist der Gerichtsstand?
  7. Individuelle Regelungen

Beurteilung zur Bildung eines Konsortiums

Warum wird ein Konsortium gegründet? Konsortien werden ins Leben gerufen, wenn die Höhe eines Auftrages bzw. das Geschäftsvolumen für den Einzelnen zu groß ist oder wenn dadurch zu einseitige Geschäftsrisiken entstehen könnten. Durch die Verteilung der Aufgaben auf verschiedene Unternehmen, die Konsorten, wird das Geschäftsrisiko des Einzelnen gemindert. Das Konsortium stellt damit ein grundlegendes Instrument zur Risikostreuung dar. [8] Der große Vorteil des Kunden eines Konsortiums besteht darin, dass dieser lediglich mit dem Konsortialführer kommunizieren muss und somit einheitliche Konditionen und Bedingungen erhält. Die Aufnahme zu einer Vielzahl von Geschäftsverbindungen zu mehreren Unternehmen bleibt ihm somit erspart. Wenn das Konsortialgeschäft abgewickelt ist, wird das gebildete Konsortium wieder aufgelöst. Neben dem Hauptziel der Risikominderung für den Einzelnen verfolgen die Konsorten auch andere wirtschaftliche Ziele, wie beispielsweise die Bildung von Synergieeffekten oder den Aufbau von Wettbewerbsverzerrungen durch kartellähnliche Strukturen.


Beispiel

Dieses Beispiel erklärt, wie die Haftung des Konsortiums und die seiner Konsorten funktioniert. Vier Konsorten bilden gemeinsam ein Konsortium. Der gesamte Auftragswert von 100.000 EUR ist in vier Teilbeteiligungen wie folgt aufgeteilt:

Konsorte 1
40.000 EUR
Konsorte 2
20.000 EUR
Konsorte 3
25.000 EUR
Konsorte 4
15.000 EUR

Konsorte 4 verursacht nun einen Schaden von 10.000 EUR, der an das Konsortium gerichtet wird. Da der Vertrag nach außen eine Haftung von max. 10% vom Auftragswert festlegt, gilt dies auch im Innenverhältnis.

10% von 15.000 EUR Teilauftragswert Nr. 4 = 1.500 EUR. Die übrigen 8.500 EUR Schaden werden auf die anderen drei Konsorten (1,2,3) umgelegt. Hierbei haftet Nr. 1 mit 40.000 EUR *10%= 4.000 EUR, Nr. 2 mit 2.000 EUR und Nr. 3 mit 2.500 EUR.

Die 8.500 EUR der Konsorten und die 1.500 EUR des Verursachers decken den Schaden.

Ist der Schaden größer als die maximal deckbare Summe des Konsortiums, muss diesen verbleibenden Schaden der Kunde selbst tragen.

Bankenkonsortium

Als Bankenkonsortium bezeichnet man den Zusammenschluss von Kreditinstituten, um bestimmte Bankgeschäfte realisieren zu können. Der Zweck besteht auch hier in der besseren Risikoverteilung und der schnelleren Aufbringung des Kapitals. Arten des Bankenkonsortiums sind insbesondere das Emissionskonsortium zur Ausgabe von beispielsweise Aktien sowie das Kreditkonsortium zur Bereitstellung eines Großkredites. [9]

Emissionskonsortium

Emissionskonsortien besitzen die Aufgabe, eine sichere und möglichst kostengünstige Unterbringung von Aktien oder Anleihen im Markt zu gewährleisten. Hierbei schließen sich mehrere Banken zusammen, welche die auszugebenden Effekten zu einem festen Kurs übernehmen um sie dann zu einem etwas höheren Kurs über die Bankschalter der angeschlossenen Banken zu veräußern. Diese Vorgehensweise bietet zum Beispiel bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft große Vorteile. Da die Gesellschaft die Aktien nicht erst in der breiten Öffentlichkeit unterbringen muss, sondern das Kapital sofort vom Emissionskonsortium zur Verfügung gestellt bekommt, wird der Gründungsprozess wesentlich erleichtert und beschleunigt. [10]

Außer Übernahme und Unterbringung einer Emission sorgt das Emissionskonsortium auch für die Börseneinführung und für die Kurspflege. In Deutschland sind Emissionskonsortien üblich, die zum einen die Wertpapiere von Emittenten übernehmen und zum anderen auch die Emission vertreiben. Die Aufgaben des Emissionskonsortiums werden in einem mit dem Emittenten geschlossenen Emissionsvertag geregelt. Dieser enthält auch Bestimmungen bezüglich der Emissionskosten sowie des Emissionskurses. Im Rahmen der Emissionspreisfindung stehen folgende Verfahren zur Verfügung: Festpreisverfahren, Bookbuildingverfahren und das Auktionsverfahren. [11] Für Anleger kann eine Beziehung zu Banken, die oft in derartigen Konsortien beteiligt sind oder gar deren Konsortialführer sind, besonders wichtig sein. Denn nur dann können sie sich bei den teilweise sehr begehrten Neuemissionen dahingehend absichern, wenigstens mit einem Teil ihres Auftragsvolumens zum festen Emissionskurs zum Zuge kommen zu können. [12]

Kreditkonsortium

Kreditkonsortien sind Zusammenschlüsse von mehreren Banken, welche auf gemeinsame Rechnung ein großvolumiges Investitionsprojekt gewähren. Üblicherweise wird ein derartiges Darlehen nur einem sich nicht in einer Krisensituation befindlichen Unternehmen gewährt. Wenn der Kreditnehmer in eine krisenähnliche Situation kommen sollte und demnach seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ändert sich auch der Zweck des Konsortiums. Dann würde es sich um ein Stillhaltekonsortium handeln. [13]

Der Konsortialkredit ist keine selbstständige Art des Kredites, sondern eine spezielle Form der Abwicklung eines Bankgeschäfts. Der Hauptgrund für die Gewährung eines Konsortialkredites ist die Risikoverteilung auf verschiedene, nicht verbundene Kreditinstitute. Dem Kreditnehmer wird dadurch erspart, eine große Anzahl von Krediten zu womöglich unterschiedlichsten Konditionen aufnehmen zu müssen. Der Führer des Konsortiums macht dabei die Gewährleistung eines Kredites in einer bestimmten Höhe von den jeweiligen Zusagen der Konsorten abhängig. Falls die geforderte Gesamtkredithöhe nicht erreicht wird, kommt der Kredit entweder nicht oder nur in der Höhe der geleisteten Zusagen zustande. Beim so genannten Underwriting geht der Konsortialführer die verbindliche Verpflichtung ein, einen festgelegten Darlehensbetrag zur Verfügung zu stellen. Da hier die Anteile der übrigen Konsorten zunächst von keiner Bedeutung sind, geht der Konsortialführer das Risiko ein, notfalls den gesamten Kreditvertrag allein stellen zu müssen. [14] Ist das Darlehen vollständig zurückgezahlt, endet auch der Zweck, für den es gebildet wurde.

Einzelnachweise

  1. http://www.projektmagazin.de/glossar/gl-0875.html (Stand: 22.11.09)
  2. http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/konsortium/konsortium.htm (Stand: 22.11.09)
  3. http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/bankenkonsortium/bankenkonsortium.htm (Stand: 23.11.09)
  4. Kleinaltenkamp, M.; Plinke, W.; Jaco, F.; Söllner, A. (Hrsg.) (2006): Markt- und Produktmanagement: Die Instrumente des Business-to-Business-Marketing, 2., Wiesbaden: Gabler, S. 341f.
  5. Söllner, A. (2008): Einführung in das Internationale Management, Wiesbaden: Gabler, S. 299f.
  6. Pfirsching, F. (2007): Portfoliotransaktionen von Selbstnutzern, Wiesbaden: Gabler, S. 44.
  7. http://www.forschungsrahmenprogramm.de/konsortialabkommen.htm (Stand: 02.12.09)
  8. Cronenbroeck, W. (2004): Handbuch Internationales Projektmanagement, Berlin: Cornelsen, S. 172ff.
  9. Korndörfer, W. (2003): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre: Aufbau – Ablauf – Führung – Leitung, 13., Wiesbaden: Gabler, S. 124.
  10. Korndörfer, W. (2003): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre: Aufbau – Ablauf – Führung – Leitung, 13., Wiesbaden: Gabler, S. 124f.
  11. Grundmann, W.; Körner-Delfs, R. (2008): Fallorientierte Bankbetriebswirtschaft, Wiesbaden: Gabler, S. 250.
  12. http://www.gameax-advance.de/baseportal/Wiki_GameAx&Search~=Bankenkonsortium (Stand: 27.11.09)
  13. Dinibütünoglu, Y. (2008): Bank-Strategien und Poolverträge in Krisen der Firmenschuldner: Eine empirische Analyse, Wiesbaden: Gabler, S. 18f.
  14. Hinsch, Ch. L.; Horn, N. (1995): Recht des internationalen Wirtschaftsverkehrs, Berlin: de Gruyter, S. 26f.

Sonstige Quellen

Vorlage:Siehe auch


Vollständig!

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Silvwin 14:47, 16. Jan. 2010 (CET)

Silvwin 06:18, 18. Nov. 2009 (CET)