Pfandbrief

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Zusammenfassung

Unter einem Pfandbrief wird eine festverzinsliche Bankschuldverschreibung verstanden, die gewissen Merkmalen genügt, die das Anlagerisiko extrem gering halten. Pfandbriefe dürfen nur durch zur Pfandbriefemission autorisierte Institute ausgegeben werden. Zu solchen Institutionen gehören insbesondere Landesbanken und Realkreditbanken (Hypothekenbanken) sowie staatliche Stellen (§1 PfandBG). Die Ausgabe erfolgt an einen Inhaber und ist übertragbar, der Pfandbrief lässt sich somit als Inhaberpapier klassifizieren (Peridon & Steiner, 1997 S. 385).

Der Pfandbrief muss per Gesetz gegen Ausfall abgesichert sein. Die Absicherung erfolgt dabei meist durch Hypotheken oder staatliche Anleihen, die sich im Besitz des Emittenten befinden. Diese müssen insgesamt den Wert betragen der dem Einlösungswert (Nennwert) aller ausgegebnen Pfandbriefe zusammen entspricht. Darüber hinaus müssen die absichernden Hypotheken mindestens den gleichen Ertrag bringen, wie die ausgegebenen Pfandbriefe (Deckungskongruenz). (o.V., 1988 S. 870)

Pfandbriefe haben grundsätzlich eine im vorhinein bestimmte Laufzeit, in der sie vom Pfandbriefinhaber nicht gekündigt werden können. Allerdings werden Pfandbriefe, wie andere Wertpapiere auch, an der Börse und auch außerbörslich gehandelt, so dass ein Inhaber die durch den Pfandbrief eingegangene Geschäftsbeziehung weiterreichen, und damit für sich beenden kann.

Pfandbriefe werden mit einem nominalen Wert (Einlösungswert) ausgegeben, (am Ende der Laufzeit wird dieser Wert ausgezahlt) und zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur relativ geringen Kursschwankungen unterliegen. Aus diesem Grund sowie der sehr guten Absicherung gegen Ausfall, werden Pfandbriefe gern durch institutioneller Anleger zur Anlage von Geldvermögen sowie durch Privatpersonen zur Anlage von Gespartem erworben. (Dickel & Issing, 1987, S. 472

Die rechtliche Grundlage zur Emission und Verwaltung von Pfandbriefen bildet das Pfandbriefgesetz (PfandBG) vom 22 Mai 2005 (PfandBG, 2005).

Emissionsberechtigte Stellen

Zur Emission ist jedes Kreditinstitut berechtigt, welches die schriftliche Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)dazu eingeholt hat. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass lediglich Kreditinstitute Pfandbriefgeschäfte betreiben, die die dazu notwendige organisatorische Struktur haben, über genügend Kernkapital (mindestens 25. Mio EUR) verfügen und von denen zu erwarten ist, dass das Pfandbriefgeschäft längerfristig weitergeführt wird. Die Einhaltung dieser Kriterien wird durch die BaFin beaufsichtigt.

Pfandbriefarten

Pfandbriefe lassen sich grundsätzlich in drei verschiedene Arten einteilen:

  • Hypothekenpfandbriefe werden durch autorisierte privatwirtschaftliche oder öffentliche Kreditinstitute ausgegeben und werden über Hypotheken, also Grundstücks- und Gebäudewerte abgesichert.
  • Öffentliche Pfandbriefe sind Ansprüche gegenüber staatlichen Stellen, durch die sie ausgegeben werden, die Absicherung erfolgt über die Steuerkraft des Bundes.
  • Schiffspfandbriefe stellen Schuldverschreibungen dar, die durch Schiffshypotheken abgesichert sind.

Merkmale eines Pfandbriefes

Der Pfandbrief selbst stellt ein Dokument dar, in welchem mindestens der Einlösungswert, sowie für das Rechtsverhältnis zwischen Pfandbriefbank und Pfandbriefgläubigern maßgebliche Bestimmungen stehen (§6 PfandBG). Da es sich beim Pfandbrief um eine Form der Anleihe handelt, sind außerdem Informationen wie der Zinssatz und der Zahlungsrhythmus (i.d.R. jährlich oder halbjährlich) festgelegt. Außerdem ist für Pfandbriefe eine Laufzeit festgelegt, die typischerweise zwischen vier und zehn Jahren liegt, der Zinssatz des Pfandbriefes ist über diese Laufzeit unveränderlich (Kauper, 1992).

Absicherung

Pfandbriefe sind durch sehr strenge Vorschriften abgesichert. Es gilt: „Der jeweilige Gesamtbetrag der im Umlauf befindlichen Pfandbriefe einer Gattung muss in Höhe des Nennwertes jederzeit durch Werte von mindestens gleicher Höhe und mindestens gleichem Zinsertrag gedeckt sein“. (§4, PfandBG) Dieser Grundsatz wird als Deckungskongruenz bezeichnet. Der Gesamtbetrag muss dabei durch Sicherheiten um 2% überdeckt sein, das heißt, die Höhe der absichernden Werte beträgt 102% des Nominalwertes der ausgegebnen Pfandbriefe.

Die sichernden Werte müssen eine bestimmte Anlageform haben. Der Sicherungswert der zur Sicherung eines Pfandbriefes angesetzt werden kann, entspricht normalerweise nicht dem Marktwert der absichernden Anlage. Beispielsweise darf eine Hypothek mit maximal 60% des Wertes des Grundstücks, das durch die Hypothek beliehen ist, zur Sicherung eines Pfandbriefs angesetzt werden.

Die Art der Absicherung eines Pfandbriefes hängt von seinem Typ ab. Meist erfolgt die Absicherung über Grundstückshypotheken oder Gebäudehypotheken (deren Gebäude wiederum gegen Schäden versichert sein müssen, etc.) oder Anleihen, die durch die Steuerkraft der Bundesrepublik oder anderer „sicherer“ Staaten (EU, USA, Japan Schweiz, u.a.) abgesichert sind.

Alle absichernden Anlagen müssen durch die emittierende Institution im sogenannten Deckungsregister festgehalten werden. Die Institution muss jederzeit in der Lage sein, die einen Pfandbrief absichernden Werte auszuweisen. Auf diese Weise wird gewährleistet das für jeden Pfandbrief genau zurückverfolgt werden kann, durch welchen Vermögenswert er abgesichert ist.

Insolvenz des Pfandbriefemittenten

Im Falle der Insolvenz der Pfandbriefbank fallen alle in den Deckungsregistern eingetragene Vermögenswerte nicht in die Insolvenzmasse der Pfandbriefbank. Die Pfandbriefinhaber werden also bedient, bevor andere Fremdkapitalgeber bedient werden. Sollte die Deckungsmasse der im Deckungsregister eingetragenen Werte aller Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz nicht ausreichen, um die ausgegebenen Pfandleihen zu decken, findet ein gesondertes Insolvenzverfahren statt, in dem nur die Pfandbriefinhaber aus der Deckungsmasse des Deckungsregisters bedient werden. Verbleibende Lücken werden danach, soweit möglich, im regulären Insolvenzverfahren bedient. Durch diese Maßnahmen soll jedes Ausfallrisiko für ein Pfandbrief vermieden werden.

Börsenkurs eines Pfandbriefes

Der Börsenkurs eines Pfandbriefes unterliegt aufgrund des extrem geringen Ausfallrisikos nur geringen Schwankungen. Überhaupt hat ein eventuelles Ausfallrisiko nahezu keinen Einfluss auf den Börsenkurs. Stattdessen wird der Kurs vor allem durch den vorherrschenden Kapitalmarktzins und den Einlösungswert (Nennwert) des Pfandbriefes in Kombination mit der verbleibenden Laufzeit bestimmt. Der Kursverlauf ist, solange das Laufzeitende aus Sicht der Anleger noch in weiter Ferne liegt vor allem durch den Marktzins bestimmt. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Pfandbrief eine festverzinsliche Anlage darstellt. Steigt der Marktzins über den festen Zinssatz des Pfandbriefes, wäre es für den Pfandbriefinhaber lohnender den Pfandbrief zu veräußern und den Erlös zum höheren Marktzins anzulegen. Die gleiche Überlegung gilt für alle Pfandbriefinhaber, deren Pfandbriefe diesen Zinssatz haben, das Angebot steigt, der Preis des Pfandbriefes fällt. Der Kurs fällt solange, bis er den niedrigeren Zins (Rendite) ausgeglichen hat. Fällt der Marktzins, gilt das Gegenteil, der Kurs des Pfandbriefes steigt (Kauper, 1992 S.12). Der Zusammenhang wird in der folgenden Abbildung deutlich:

Pfandbrief Zinssatz Kursgewinn.png

Gegen Ende der Laufzeit, spielt der Einlösungswert eine immer größere Rolle, der Zins (Rendite) hingegen eine immer geringere Rolle. Ist die letzte Zinsrate für den Pfandbrief ausgezahlt, ist nur noch der Einlösungswert von Bedeutung. Es würde nun keinen Sinn mehr machen, den Pfandbrief nun noch über dem Einlösungswert zu kaufen. Tatsächlich würde aufgrund der entstehenden Transaktions- und Abwicklungskosten der Kurs sogar unter den Nennwert fallen (siehe folgende Abbildung).

Pfandbrief Nennwert Kurs.png

Weiter Informationen

Literatur

  • Dickel, E., Issing O. (Hrsg.). Vahlens großes Wirtschaftslexikon. Band 2, München: Vahlen.
  • Perridon L., Steiner M. (1997). Finanzwirtschaft der Unternehmung. 9. Aufl., München: Vahlen.
  • PfandBG. (2005) Pfandbriefgesetz vom 22 Mai 2005, http://www.gesetze-im-internet.de/pfandbg/index.html [22.05.2007.]
  • o.V. (1988). Gabler-Wirtschaftslexikon. Band 2. 12. Aufl., Wiesbaden: Gabler.
  • Kauper, I. (1992) Festverzinsliche Wertpapiere. Bonn: Economica